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Haussperling
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Der Haussperling (Passer domesticus) – auch Spatz oder Hausspatz genannt – ist eine Vogelart aus der Familie der Sperlinge (Passeridae) und einer der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Singvögel. Der Spatz hat sich vor ĂŒber 10.000 Jahren als Kulturfolger dem Menschen angeschlossen. Nach zahlreichen absichtlichen oder versehentlichen EinbĂŒrgerungen ist er mit Ausnahme weniger Gebiete fast ĂŒberall anzutreffen, wo Menschen sich das ganze Jahr aufhalten.

Contents

‱ Flug
‱ Stimme
‱ Verbreitung
‱ Lebensraum
‱ Wanderungen
‱ Nahrung
‱ Verhalten
‱ Fortbewegung
‱ Systematik
‱ Unterarten
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Aussehen und Merkmale

Der Haussperling ist ein krĂ€ftiger und etwas gedrungener Singvogel. Er wiegt rund 30 Gramm und erreicht eine KörperlĂ€nge von 14 bis 16 Zentimetern – er ist wenig grĂ¶ĂŸer als der nah verwandte Feldsperling. Der Haussperling fĂ€llt besonders durch seinen großen Kopf und den krĂ€ftigen, konischen Schnabel auf. Die LĂ€nge der FlĂŒgel betrĂ€gt 71 bis 82 Millimeter, die Spannweite misst etwa 23 Zentimeter. MĂ€nnchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich in ihrer FĂ€rbung: Die MĂ€nnchen sind deutlich kontrastreicher gezeichnet als die Weibchen, sie haben eine schwarze oder dunkelgraue Kehle und einen schwarzen Brustlatz, der aber im Herbst nach der Mauser von helleren FederrĂ€ndern verdeckt sein kann. Der Scheitel ist bleigrau und von einem kastanienbraunen Feld begrenzt, das vom Auge bis in den Nacken reicht. Die Wangen sind hellgrau bis weißlich. Der RĂŒcken ist braun mit schwarzen LĂ€ngsstreifen. Die FlĂŒgel sind ebenso gefĂ€rbt; eine weiße FlĂŒgelbinde ist deutlich erkennbar, eine zweite nur angedeutet. Brust und Bauch sind aschgrau. In Stadtzentren und Industriegebieten ist das Gefieder infolge von Verschmutzung meist weit weniger kontrastreich. Relativ hĂ€ufig treten teilalbinotische Individuen auf.

Die Weibchen sind unscheinbarer als die MĂ€nnchen und matter braun, aber sehr fein gezeichnet. Die Oberseite ist hell graubraun, der RĂŒcken schwarzbraun und gelbbraun gestreift. Der ebenfalls graubraune Kopf hat einen hellen Überaugenstreif, der vor allem hinter dem Auge deutlich ist. Jungvögel sehen wie Weibchen aus, sie sind nur etwas heller und gelblicher gefĂ€rbt. Sie bleiben, nachdem sie flĂŒgge geworden sind, einige Tage an den gelblichen SchnabelwĂŒlsten erkennbar.

Federkleid und Mauser

Die Jugendmauser ist eine Vollmauser und beginnt im Alter von sechs bis acht Wochen. Damit die Mauser vor Beginn der ungĂŒnstigeren Witterungsperiode abgeschlossen ist, kann sie je nach Zeitpunkt des SchlĂŒpfvorgangs von durchschnittlich 82 auf 64 Tage verringert sein. Die Jahresmauser der Altvögel ist ebenfalls eine Vollmauser. Sie findet in Mitteleuropa in den Monaten Juli oder August statt. Bei Gefahr oder Stress neigen Sperlinge auch zur Schockmauser. Das Sperlingsgefieder besteht vor der Mauser aus 3200 Federn, die insgesamt 1,4 Gramm wiegen. Unmittelbar nach der Mauser sind es ungefĂ€hr 3600 Federn mit einem Gewicht von 1,9 Gramm. Zur Pflege des Gefieders nehmen die Tiere StaubbĂ€der, um sich vor Federparasiten zu schĂŒtzen.cite-ref-hbvpddmauser-1-0[1]

Flug

Haussperlinge fliegen schnell und geradlinig, relativ niedrig und meist vom Nistplatz zu einem nahe gelegenen Baum oder GebĂŒsch. Dabei können sie Geschwindigkeiten von annĂ€hernd 60 Kilometern pro Stunde erreichen. Die FlĂŒgel schwingen in der Sekunde etwa 13 Mal auf und ab. Der Distanzflug ist leicht wellenförmig mit fallenden Gleitphasen, in denen die FlĂŒgel leicht angelegt sind, der Flug ist dabei aber im Vergleich zu den Finkenarten flacher gewellt. Bei der Futteraufnahme können sie auch kurzzeitig in der Luft stehen wie Kolibris.cite-ref-hbvpddmauser-1-1[1]

Stimme

Als gesellige Vögel verfĂŒgen Haussperlinge ĂŒber viele Rufe. Der ĂŒbliche Warnruf bei Luftfeinden ist strukturell abweichend gegenĂŒber anderen Sperlingsvögeln ein weiches, getrillertes „drĂŒĂŒĂŒâ€œ, wobei dieser Ruf auch gelegentlich gegenĂŒber grĂ¶ĂŸeren Nahrungskonkurrenten wie Möwen verwendet wird. Vor Bodenfeinden wird mit anhaltendem nasalen Rufen wie „kew kew“ oder auch „terrettett“ gewarnt.

Der Gesang des Haussperlings wird nur vom MĂ€nnchen vorgetragen und besteht aus einem monotonen, relativ lauten, rhythmischen „Tschilpen“ (meist einsilbig, auch „schielp“, „tschuip“, „tschirp“, manchmal auch zweisilbig wie „tschirrip“ oder „tschirrep“). Die Tonhöhe und die Anordnung der Elemente variieren von Vogel zu Vogel erheblich. WĂ€hrend des Singens vergrĂ¶ĂŸert sich der Kehllatz. Analysen haben ergeben, dass diese LautĂ€ußerungen komplex komponiert sind und sowohl individuelle Merkmale als auch Stimmungen darin codiert sein können.

Zur Kopulation fordern MĂ€nnchen und Weibchen mit leisen, gezogenen und nasalen Lauten auf, Weibchen verwenden dabei ein wiederholtes „djie“, der Kopulationsruf des MĂ€nnchens ist ein wisperndes „iag iag“. Daneben gibt es einige weitere situationsabhĂ€ngige Rufe, deren Dauer, Obertonstaffelung und -modulation recht verschieden gestaltet sein können (Stimmbeispiel).

Freilebende Haussperlinge sind auch in der Lage, Alarmrufe von Staren und Amseln zu kopieren. Zudem zeigen jĂŒngere Forschungen, dass die Alarmrufe anderer Vogelarten durchaus verstanden werden. Heute ist relativ unbekannt, dass Haussperlinge auch sehr lernfĂ€hige „GesangsschĂŒler“ sind. Im 18. Jahrhundert war es ein beliebtes Spiel, aufgezogenen Vögeln Lieder beizubringen. Es gibt eine stattliche Anzahl von Berichten und Belegen dafĂŒr, dass Haussperlinge, die beispielsweise in Gesellschaft von Kanarienvögeln aufgezogen wurden, deren rollendes GetrĂ€ller perfekt erlernen, auch wenn sie dies mit ihrer rauen und lauten Stimme imitieren.cite-ref-hbvpddmauser-1-2[1]cite-ref-nabugesang-2-0[2]

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung

Das ursprĂŒngliche palĂ€arktische und orientalische Verbreitungsgebiet hat sich nach zahlreichen EinbĂŒrgerungen in anderen Kontinenten seit Mitte des 19. Jahrhunderts fast auf den gesamten Globus ausgedehnt. Heute fehlt der Haussperling nur in den Polargebieten, Teilen Nordsibiriens, Chinas und SĂŒdostasiens, in Japan, Westaustralien, dem tropischen Afrika und SĂŒdamerika und dem nördlichsten Teil Amerikas. Er ist damit eine der am weitesten verbreiteten Vogelarten. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebiets schwankt zwischen dem 60. und dem 70. Breitengrad. Auf der SĂŒdhalbkugel wurden die Landmassen mit Ausnahme der Antarktis bis zu den sĂŒdlichsten AuslĂ€ufern besiedelt, nur in Westaustralien wird konsequent versucht, eine Besiedlung zu unterbinden.

In Europa gibt es Gebiete, in denen der Haussperling durch einen nahen Verwandten vertreten wird: Auf dem italienischen Festland sowie auf den Inseln Sizilien, Korsika und Kreta hat sich der ebenfalls die NĂ€he des Menschen suchende Italiensperling etabliert. Auf der iberischen Halbinsel, dem Balkan und in Teilen Nordafrikas lebt der Haussperling gemeinsam mit dem nahe verwandten Weidensperling, der noch kein so ausgesprochener Kulturfolger ist.cite-ref-hbvpddmauser-1-3[1]

Der weltweite Bestand des Haussperlings wird auf etwa 1,6 Milliarden Individuen geschĂ€tzt.cite-ref-callag2021-3-0[3] Allerdings ist die Art seit einigen Jahrzehnten von deutlichen BestandsrĂŒckgĂ€ngen betroffen. So ist der Haussperling mit einem RĂŒckgang von 246,7 Mio. Exemplaren von 1980 bis 2017 in der EuropĂ€ischen Union der Vogel, dessen Population im Zeitraum von 1980 bis 2017 mit weitem Abstand am stĂ€rksten zurĂŒckgegangen ist. Insgesamt ist die Zahl aller Vögel im genannten Zeitraum netto um 560 bis 620 Mio. Exemplare geschrumpft.cite-ref-4[4]

Lebensraum

Als ursprĂŒngliches Biotop vor dem Anschluss an den Menschen werden trockenwarme, lockere Baumsavannen vermutet, dies bleibt jedoch mangels gesicherter Daten spekulativ. Beim Vordringen nach Mitteleuropa war der Haussperling bereits Kulturfolger mit einer ausgeprĂ€gten Bindung an den Menschen.cite-ref-hbvpddmauser-1-4[1] Deutlich wurde dies beispielsweise wĂ€hrend der Devastierung Helgolands nach dem Zweiten Weltkrieg, wĂ€hrend der mit den Menschen auch die Haussperlinge verschwanden und erst nach der Neubesiedlung ab 1952 wieder zurĂŒckkehrten.cite-ref-hbvpddmauser-1-5[1] In milden Zonen werden allerdings auch menschenferne Habitate genutzt.cite-ref-hbvpddmauser-1-6[1]

Voraussetzungen fĂŒr Brutvorkommen sind die ganzjĂ€hrige VerfĂŒgbarkeit von SĂ€mereien und Getreideprodukten und geeignete NistplĂ€tze. Optimal sind Dörfer mit Landwirtschaft, Vorstadtbezirke, Stadtzentren mit großen Parkanlagen, zoologische GĂ€rten, Vieh- oder GeflĂŒgelfarmen und Einkaufszentren. Es werden aber auch außergewöhnliche LebensrĂ€ume besiedelt, wie beispielsweise von der Außenwelt abgeschlossene klimatisierte FlughafengebĂ€ude. Das höchstgelegene Brutvorkommen findet sich bei ungefĂ€hr 4.500 m im Himalaya, das tiefste bei -86 m im Death Valley in Nordamerika.cite-ref-hbvpddmauser-1-7[1]

Wanderungen

In Europa ist der Haussperling fast ausschließlich Standvogel, in geringem Ausmaß auch Kurzstreckenzieher. Nicht dauernd von Menschen bewohnte Siedlungen im Alpenraum werden im SpĂ€therbst oder Winter auch vom Haussperling gerĂ€umt. Die asiatische Unterart P. d. bactrianus wiederum ist ein Zugvogel und ĂŒberwintert bei Zugdistanzen bis zu 2000 Kilometern in Pakistan und Indien. Die hauptsĂ€chlich im Himalaya beheimatete Form P. d. parkini ist Teilzieher.cite-ref-hbvpddmauser-1-8[1]cite-ref-h-lzinger1997-5-0[5]

Nach der ersten Brutansiedlung sind die Haussperlinge der Nominatform sehr ortstreu, der Aktionsradius wĂ€hrend der Brutzeit kann bei Stadtpopulationen lediglich 50 Meter betragen. Jungvögel streuen ungerichtet und schließen sich zunĂ€chst im SpĂ€tsommer anwachsenden SchwĂ€rmen an. Auch ein Teil der Altvögel schließt sich diesen HerbstschwĂ€rmen an, die in die Umgebung der BrutplĂ€tze ausstrahlen, um das dortige Nahrungsangebot zu nutzen. Die Altvögel kehren nach Auflösung der SchwĂ€rme meist bereits im FrĂŒhherbst wieder an ihren ursprĂŒnglichen Brutplatz zurĂŒck.cite-ref-hbvpddmauser-1-9[1]

Nahrung

Der Haussperling ernĂ€hrt sich hauptsĂ€chlich von SĂ€mereien und dabei vor allem von den Samen kultivierter Getreidearten, die in lĂ€ndlichen Gebieten 75 Prozent der Gesamtnahrung ausmachen können. Bevorzugt werden Weizen vor Hafer und Gerste. Regional und saisonal kann der Anteil der Samen von WildgrĂ€sern und -krĂ€utern den Getreideanteil erreichen oder ĂŒbertreffen. Von FrĂŒhjahr bis Sommer spielt auch tierische Nahrung eine wichtige Rolle und kann bis zu 30 Prozent der Gesamtnahrung ausmachen. Dabei handelt es sich um Insekten einschließlich deren Entwicklungsstadien sowie andere Wirbellose. Vor allem in der Stadt zeigen Spatzen ein opportunistisches Verhalten und werden zu Allesfressern, was sie besonders an ImbissstĂ€nden und in Freiluftlokalen unter Beweis stellen.cite-ref-hbvpddmauser-1-10[1]

Die Jungen fĂŒttert der Haussperling in den ersten Tagen fast ausschließlich mit Raupen und anderen zerkleinerten Insekten. Wenn zu wenig tierische Nahrung zur VerfĂŒgung steht und beispielsweise ausschließlich Brot an die Nestlinge verfĂŒttert wird, kann das Verdauungsstörungen verursachen, die zum Tod der Nestlinge fĂŒhren können. Mit zunehmendem Alter der Jungen verfĂŒttern die Eltern dann mehr und mehr auch SĂ€mereien, wobei der vegetarische Anteil auf ein Drittel steigt.cite-ref-hbvpddmauser-1-11[1]cite-ref-vogelschutzonline-6-0[6]

Verhalten

Der Haussperling zeigt das ganze Jahr ĂŒber ein geselliges und soziales Verhalten. Viele Verhaltensweisen des Haussperlings sind auf das Leben in der Gruppe ausgerichtet, und der Tagesablauf ist stark synchronisiert.

AktivitÀt

Haussperlinge werden wĂ€hrend der bĂŒrgerlichen DĂ€mmerung aktiv. Der Gesang beginnt im Mittel etwa 18 Minuten vor Sonnenaufgang, wobei durch Bewölkung verursachte Helligkeitsunterschiede weitgehend ohne Einfluss bleiben. Das Ende der AktivitĂ€t liegt auch im Winter noch vor Sonnenuntergang.

In mittleren Breiten werden gelegentlich nĂ€chtliche AktivitĂ€ten beobachtet, zum Beispiel beim Insektenfang im Flutlicht von Industrieanlagen. Auch auf dem Empire State Building kann man mehr als 300 Meter ĂŒber dem Erdboden nachts jagende Spatzen entdecken.cite-ref-hbvpddmauser-1-12[1]

Nahrungserwerb

Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast immer gesellig, auch wĂ€hrend der Aufzucht der Jungen. Hierzu finden sich oft SchwĂ€rme, kleinere Trupps oder zumindest lose VerbĂ€nde zusammen. In Getreidefeldern ist bei Trupps von etwa 20 Vögeln die Nahrungsaufnahme am effizientesten, da die zur Sicherung verwendete Zeit in grĂ¶ĂŸeren Gemeinschaften kĂŒrzer wird, jedoch der Zeitaufwand fĂŒr Auseinandersetzungen mit Artgenossen bei noch grĂ¶ĂŸeren VerbĂ€nden diesen Zeitgewinn mehr als aufwiegt. Wenn ein einzelner Haussperling eine Nahrungsquelle entdeckt, lockt er die anderen durch Rufe und wartet, bevor er zu fressen beginnt. Dabei sind 75 Prozent dieser „Pioniere“ MĂ€nnchen. Manchmal werden Nahrungsbrocken bei Zerkleinerung mit Hilfe des Schnabels mit dem Fuß festgehalten, Ă€hnlich dem Verhalten der Meisen. GrĂ¶ĂŸere NahrungsstĂŒcke werden hĂ€ufig auch transportiert und an anderer Stelle zerkleinert, auch im Nest.

Vor allem bei in der Stadt lebenden Spatzen kann hĂ€ufig das Absuchen von KĂŒhlergrills parkender Autos nach toten Insekten beobachtet werden. Auch abgestellte Lokomotiven werden hĂ€ufig, schon kurze Zeit nach ihrer Ankunft im Bahnbetriebswerk, gezielt im Frontbereich durch die Tiere untersucht. Der Haussperling versucht sich gelegentlich auch als LuftjĂ€ger. Dabei startet er von einer Sitzwarte aus einen kurzen Jagdflug nach vorbeifliegenden Insekten. Dies wirkt zwar mĂŒhsam und nicht so elegant wie beispielsweise beim GrauschnĂ€pper, fĂŒhrt aber dennoch nicht selten zum Erfolg.cite-ref-hbvpddmauser-1-13[1]

Fortbewegung

Am Boden bewegt sich der Haussperling fast immer beidbeinig hĂŒpfend fort. Lediglich bei AnnĂ€herung an sehr nahe Objekte oder beim seitlichen NachrĂŒcken auf Zweigen sind einzelne Schritte zu beobachten. Der Spatz hockt bei der Nahrungssuche oft flach auf den LĂ€ufen, so dass die Federn den Boden berĂŒhren. An senkrechten HauswĂ€nden oder StĂ€mmen klettert der Haussperling „rutschend“ und stĂŒtzt sich auch auf den gespreizten Schwanz, hin und wieder sogar auf die halb geöffneten FlĂŒgel. In Zweigen bewegt er sich recht gewandt und kann dabei kopfĂŒber um einen dĂŒnnen Zweig schwingen, ohne die FĂŒĂŸe zu lösen.cite-ref-hbvpddmauser-1-14[1]

Komfortverhalten

Haussperlinge baden das ganze Jahr ĂŒber, dabei ist Sonnenschein stark stimulierend. Vor dem etwa drei Minuten dauernden Bad wird oft getrunken. StaubbĂ€der folgen hĂ€ufig dem Bad oder wechseln damit ab. Die Bewegungen beim Staubbaden entsprechen denen beim Wasserbad. Meist erfolgt dieses Baden gemeinschaftlich nacheinander mit anschließender gemeinsamer Gefiederpflege. Gelegentlich wird die fĂŒr das Staubbad genutzte Mulde auch mit einem FutterplĂ€tzen entsprechenden Drohverhalten gegen Artgenossen verteidigt.cite-ref-hbvpddmauser-1-15[1]

Territorial- und Aggressionsverhalten

Der Haussperling verteidigt kein flĂ€chiges Brut- oder Nahrungsrevier, sondern nur die nĂ€chste Umgebung des Nests oder des Schlafplatzes. Zur Zeit der Fortpflanzung sind Weibchen in der NĂ€he des Nests gegenĂŒber MĂ€nnchen dominant, obwohl sie kleiner sind.

Auseinandersetzungen mit Artgenossen werden hauptsĂ€chlich beim Nahrungserwerb, an Bade- und SchlafplĂ€tzen und am Nest beobachtet. Dabei werden fast 90 Prozent der Konflikte zwischen MĂ€nnchen ausgetragen. Aggressionen Ă€ußern sich oft durch frontales Drohen, wobei der Kopf tief vorgebeugt, der Schwanz gefĂ€chert und angehoben, die RĂŒckenfedern gestrĂ€ubt und die FlĂŒgel abgewinkelt werden. Bei höherer IntensitĂ€t gibt es auch KĂ€mpfe mit VorwĂ€rtsbewegungen bei geöffnetem Schnabel und gegenseitigem Hacken, manchmal auch in der Luft. Aggressionen gegen andere Arten gibt es hauptsĂ€chlich bei Konkurrenz um NistplĂ€tze, bei ausreichendem Angebot sind diese aber selten. Gelegentlich verhindern Haussperlinge die Ansiedlung anderer HöhlenbrĂŒter in NistkĂ€sten oder verdrĂ€ngen sie daraus. Der Feldsperling, dessen Lebensraum sich teilweise mit dem des Haussperlings ĂŒberschneidet, wird dabei vom Haussperling allein schon durch dessen frĂŒheren Brutbeginn verdrĂ€ngt.cite-ref-hbvpddmauser-1-16[1]

Feindverhalten

Weibchen sind wachsamer und scheuer als MĂ€nnchen. Die Fluchtdistanz bei AnnĂ€herung von Menschen ist vor allem in StĂ€dten niedriger, steigt jedoch bei zunehmender TruppgrĂ¶ĂŸe. Bei Bodenfeindalarm eilen Artgenossen herbei und folgen dem Feind hassend und warnend in BĂ€umen und GebĂŒsch. Auch Stare, vielerorts die einzigen ĂŒberlegenen Nistplatzkonkurrenten, werden bei Inspektion potentieller BrutplĂ€tze schnarrend angehasst und manchmal vertrieben, in der Regel behalten im Konfliktfall aber die Stare die Oberhand.cite-ref-hbvpddmauser-1-17[1]

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife tritt bei Haussperlingen am Ende des ersten Lebensjahres ein. Spatzen fĂŒhren in der Regel eine lebenslange Dauerehe. Wenn ein Partner stirbt, finden Neuverpaarungen jedoch schnell statt. Vereinzelt kommt auch Bigynie (Polygynie) vor.cite-ref-hbvpddmauser-1-18[1]

In Mitteleuropa beginnt die hauptsĂ€chliche Brutzeit Ende April und reicht bis August. Die auf der SĂŒdhalbkugel beheimateten Haussperlinge haben ihre Brutperiode an die dortigen Jahreszeiten angepasst. In diesem Zeitraum werden zwei bis drei, selten sogar vier Bruten aufgezogen. Bei den Erst- und Zweitbruten werden aus gut einem Drittel der gelegten Eier flĂŒgge Jungvögel, bei den spĂ€teren Bruten ist es nur noch ein FĂŒnftel. DarĂŒber hinaus ist die MortalitĂ€t der Jungvögel nach dem Ausfliegen in den ersten Wochen gravierend. Nach einem Jahr leben in lĂ€ndlichen Gebieten nur noch 20 Prozent, in Stadthabitaten immerhin bis zu 40 Prozent der Jungvögel. FĂŒr die hohe Sterblichkeit dĂŒrften vor allem Schwierigkeiten bei der selbststĂ€ndigen Nahrungsbeschaffung und hohe Predation maßgeblich sein.cite-ref-h-lzinger1997-5-1[5]cite-ref-hbvpddmauser-1-19[1]

Neststandort und Nest

Der Haussperling ist Nischen-, Höhlen- und FreibrĂŒter mit starker Neigung zum gemeinschaftlichen BrĂŒten. Er nistet manchmal auch allein, oft aber in lockeren VerbĂ€nden oder Kolonien, wobei die Nester dabei meist einen Mindestabstand von 50 Zentimetern aufweisen. Die vielfĂ€ltige Nutzung aller geeigneten Strukturen als Neststandort sind Ausdruck der besonderen AnpassungsfĂ€higkeit des Haussperlings. Als typische NistplĂ€tze dienen geschĂŒtzte HohlrĂ€ume an oder in der NĂ€he von GebĂ€uden, sei es unter losen Dachpfannen oder in Mauerlöchern oder Nischen unter dem Vordach. Aber auch NistkĂ€sten, Schwalbennester oder Spechthöhlen werden ausgewĂ€hlt. Gelegentlich kann man Sperlinge auch als Untermieter in Storchennestern finden, wobei diese dabei davon profitieren, dass sich ihre Luftfeinde nicht in die NĂ€he solcher Nester wagen. Besteht Nistplatzmangel, können auch Freinester in BĂ€umen oder BĂŒschen angelegt werden, die mit einem Dach aus Halmen versehen werden. Die Nesthöhe bei FreibrĂŒtern liegt zwischen 3 und 8 Metern und damit im Mittel höher und fĂŒr Predatoren unzugĂ€nglicher als beim Feldsperling. Freinester werden als die ursprĂŒngliche Nistweise des Haussperlings angesehen.

UnabhĂ€ngig vom Ort der Nestanlage handelt es sich im Prinzip immer um ein Kugelnest mit seitlichem Eingang. Das Nest wird nicht besonders sorgfĂ€ltig gebaut, das außen nicht bearbeitete Nistmaterial hĂ€ngt meist lose herab. Spatzen verbauen fast alles, beispielsweise Stroh, Gras, Wolle, Papier oder Lumpen. Das Material wird dabei weniger durch Auswahl als durch seine VerfĂŒgbarkeit im Umkreis von 20 bis 50 Metern bestimmt. Die Nestmulde wird zur Auspolsterung mit feinen Halmen und Federn ausgekleidet. Freistehende Nester erreichen FußballgrĂ¶ĂŸe, Nester in Nischen und Höhlen werden den Gegebenheiten angepasst und variieren betrĂ€chtlich in der GrĂ¶ĂŸe. Das Nest wird meist vom MĂ€nnchen wĂ€hrend der Balz begonnen, in Mitteleuropa frĂŒhestens ab Mitte MĂ€rz. Der Neuanlage von Nestern geht besonders bei ErstbrĂŒtern eine Phase ziellosen Umhertragens von Nistmaterial voraus. Beide Partner vollenden das Nest gemeinsam, am intensivsten in der Woche vor Legebeginn. Der Nestbau kann sich ĂŒber Wochen hinziehen, nach Nestverlust kann aber in zwei bis drei Tagen Ersatz geschaffen werden.cite-ref-hbvpddmauser-1-20[1]

Balz und Paarung

Die Balz beginnt mit der Besetzung des Brutplatzes durch die MĂ€nnchen, in Mitteleuropa teilweise schon ab Mitte Februar und vor allem im MĂ€rz. Bei der Partnerwahl spielt fĂŒr das Weibchen sowohl ein möglichst geschĂŒtzter Nistplatz als auch der beim Singen anschwellende Brustlatz des MĂ€nnchens eine Rolle. Das unverpaarte MĂ€nnchen wirbt mit aufgeplustertem Gefieder im engeren Nestbereich mit hohen „tschili“, „szilib“ oder Ă€hnlichen Rufen. Bekundet ein Weibchen Interesse, zeigt ihm das MĂ€nnchen den Nistplatz, indem es mit trockenen Halmen im Schnabel einschlĂŒpft. Das Weibchen folgt dem MĂ€nnchen durch kurzes EinschlĂŒpfen und prĂŒft den Nistplatz. Erst von diesem Moment an beginnt das MĂ€nnchen den eigentlichen Gesang, das strukturarm und monoton wirkende Tschilpen, oft stundenlang vorzutragen.

AuffÀllig bei Haussperlingen ist auch die Gruppenbalz. Diese beginnt durch rasante und lÀrmende Verfolgung eines Weibchens durch zwei bis acht MÀnnchen. Meist in dichter Vegetation wird das Weibchen von den balzenden MÀnnchen umringt und diese versuchen abwechselnd, das sich wehrende Weibchen in der Kloakenregion zu picken und zu kopulieren. Alle tschilpen erregt und lassen in diesem Moment jede Vorsicht vermissen. In der Regel kommt es nicht zur Kopulation. Das mit dem Weibchen verpaarte MÀnnchen ist auch beteiligt und bleibt bis zum Schluss in der NÀhe des Weibchens. Die Bedeutung der Gruppenbalz ist noch offen.

Kopulationen im frĂŒhen Stadium der Fortpflanzungsperiode werden meist erfolglos vom MĂ€nnchen gesucht. Dabei hĂŒpft es mit gestrĂ€ubtem Gefieder, hĂ€ngenden FlĂŒgeln und aufgestelztem Schwanz hin und her. In der spĂ€teren fruchtbaren Phase ist es das Weibchen, das zur Paarung auffordert. Es duckt sich dabei waagrecht mit leicht erhobenem Schwanz und vibrierenden FlĂŒgeln. Weibchen können dabei manchmal 15 bis 20 Mal in der Stunde zur Kopulation auffordern. Bei koloniebrĂŒtenden Paaren sind wiederum die MĂ€nnchen an hĂ€ufigerer Kopulation zur Sicherung der eigenen Vaterschaft interessiert. Dieses Verhalten und auch das Bewachen des Weibchens durch das MĂ€nnchen ist aber nur bedingt wirksam, in 8 bis 19 Prozent der FĂ€lle wurden Fremdkopulationen nachgewiesen.cite-ref-hbvpddmauser-1-21[1]

Gelege und Brut

Das Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern mit einer durchschnittlichen GrĂ¶ĂŸe von 15 × 22 Millimetern und einem Gewicht von etwa 3 Gramm. In Gestalt, GrĂ¶ĂŸe und Farbe sind die Eier sehr unterschiedlich, bei einem individuellen Weibchen aber recht konstant. Sie sind weiß bis schwach grĂŒnlich oder grĂ€ulich und mit grauen oder braunen Flecken versehen, wobei die Fleckung die Grundfarbe manchmal völlig verdeckt. Die letzten Eier eines Geleges sind nach Breite und Gewicht grĂ¶ĂŸer als die ersten, wobei dieser Unterschied bei spĂ€teren Bruten noch ausgeprĂ€gter ist. Daher sind die zuletzt geschlĂŒpften Jungen im Vorteil.

Das regelmĂ€ĂŸige BrĂŒten beginnt normalerweise nach Ablage des vorletzten Eies und dauert ab diesem Zeitpunkt gerechnet in der Regel zwischen 10 und 15 Tagen. Die Brutdauer wird durch die Außentemperatur beeinflusst und ist deshalb bei der dritten Brut meist kĂŒrzer. Bei witterungsbedingten Brutunterbrechungen kann die Brutzeit auch bis zu 22 Tagen andauern. Beide Partner brĂŒten abwechselnd, wobei das Weibchen meist die Nacht auf dem Gelege verbringt. WĂ€hrend das Weibchen auf Nahrungssuche ist, hĂ€lt das MĂ€nnchen die Eier vermutlich nur warm, denn es hat keinen Brutfleck.cite-ref-hbvpddmauser-1-22[1]cite-ref-h-lzinger1997-5-2[5]

Entwicklung der Jungen

Die geschlĂŒpften Jungen werden durch beide Eltern gehudert und zu Beginn vor allem mit zerkleinerten Insekten, spĂ€ter zunehmend auch mit SĂ€mereien gefĂŒttert. In den ersten Tagen wird der Kot durch die Eltern verschluckt, spĂ€ter bis zu 20 Meter weit hinausgetragen.cite-ref-hbvpddmauser-1-23[1] Die Dauer der Nestlingszeit schwankt sehr stark, die Beobachtungen reichen von 11 bis 23 Tagen, die Regel sind 14 bis 16 Tage. UngefĂ€hr nach dem vierten Tag sind die Augen der Jungen geöffnet, am 8. bis 9. Tag werden die Nestlinge durch zunehmendes Aufplatzen der Federkiele farbig.cite-ref-hbvpddmauser-1-24[1]cite-ref-birdsofnorthamericaonline-7-0[7]

Gehen beide Eltern verloren, so finden sich durch die intensiven Bettelrufe der Jungen animiert meistens stellvertretende Bruthelfer aus der Nachbarschaft, die die Jungen fĂŒttern, bis sie selbststĂ€ndig sind.cite-ref-hbvpddmauser-1-25[1] Alle Jungen verlassen das Nest innerhalb weniger Stunden und sind in der Regel schon gut flugfĂ€hig. Sie fressen bereits nach ein bis zwei Tagen ein wenig selbst und sind in der Regel nach 7 bis 10, spĂ€testens nach 14 Tagen selbststĂ€ndig.cite-ref-hbvpddmauser-1-26[1]

Lebenserwartung und Feinde

Die durchschnittliche Lebenserwartung geschlechtsreifer Haussperlinge betrĂ€gt 1,5 bis 2,3 Jahre; bezieht man auch die Jungvögel mit ein, betrĂ€gt sie lediglich 9 Monate. In der Stadt ist die Lebenserwartung höher als in lĂ€ndlichen Gebieten. In den Niederlanden wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass im Bereich von Vororten 18 Prozent der Spatzen mindestens fĂŒnf Jahre alt wurden, in lĂ€ndlichen Gebieten hingegen nur 4 Prozent. In Freiheit wurden durch Beringung verschiedentlich um die 14 Jahre alte Haussperlinge nachgewiesen. In Gefangenschaft ist ein höheres Alter möglich; das bisher beobachtete maximale Alter betrĂ€gt angeblich 23 Jahre.cite-ref-hbvpddmauser-1-27[1]

Gefahr droht den in Freiheit lebenden Spatzen vor allem durch Predation und besonders in großen StĂ€dten auch durch den Straßenverkehr. Die grĂ¶ĂŸten Verluste mit 45 bis 56 Prozent der GesamtmortalitĂ€t erleiden die Altvögel wĂ€hrend der Brutzeit. Zu den Bodenfeinden zĂ€hlen Steinmarder und vor allem Katzen, seltener auch Hunde. Die den Spatzen jagenden Luftfeinde sind vor allem Sperber, Schleiereulen und Turmfalken. Dabei sind ausgefĂ€rbte MĂ€nnchen mit ausgeprĂ€gtem Kehlfleck hĂ€ufiger das Opfer von Greifvögeln. Haussperlinge sind vielerorts die Hauptbeute des Sperbers mit einem Anteil von teils ĂŒber 50 Prozent. Aber auch fĂŒr den Turmfalken stellen sie beispielsweise in Berlin die hĂ€ufigste Vogelbeute dar.cite-ref-hbvpddmauser-1-28[1]cite-ref-k-bler2005-8-0[8]

Bestand und Bestandsentwicklung

Weltweit wird der Bestand des Haussperlings auf 1,6 Milliarden Individuen geschĂ€tzt – mehr als fĂŒr jeden anderen Wildvogel.cite-ref-callag2021-3-1[3] Auch in Europa liegen nur recht ungenaue SchĂ€tzungen vor. In Deutschland ist der Haussperling trotz BestandsrĂŒckgĂ€ngen nach Amsel, Buchfink und Kohlmeise der vierthĂ€ufigste Brutvogel.cite-ref-bestand2025-9-0[9] Der Bestand im deutschsprachigen Raum stellt sich folgendermaßen dar:

| Land | Anzahl Brutpaare | Zeitraum |
|---|---|---|
| Deutschland | 4.450.000 – 6.450.000 [ 9 ] | 2017–2022 |
| Liechtenstein | 0.000 800 – 1.500 [ 10 ] | 2019 |
| Luxemburg | 0.00 30.000 – 35.000 [ 11 ] | 2019 |
| Österreich | 0.0 250.000 – 450.000 [ 12 ] | 2013–2018 |
| Schweiz | 0.0 450.000 – 550.000 [ 13 ] | 2013–2016 |

Aktuell wird der Haussperling mit 4.5 bis 6,5 Millionen Brutpaaren im Jahr 2022 als vierthÀufigste Brutvogelart Deutschlands angesehen.cite-ref-bestand2025-9-2[9]

Im Westen Mitteleuropas ist der Bestand in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts deutlich zurĂŒckgegangen. Dieser RĂŒckgang wird daran deutlich, dass vergleichbar große SchwĂ€rme auf Getreidefeldern wie in den 1950er Jahren nicht mehr beobachtet werden. Allerdings ist der RĂŒckgang des Bestands wegen des damaligen geringen Interesses an dieser Art und der fehlenden Daten aus dieser Zeit nur sehr lĂŒckenhaft dokumentiert. Wegen des BestandsrĂŒckgangs wurde der Haussperling auch auf die Vorwarnliste der gefĂ€hrdeten Arten aufgenommen, obwohl der Bestand absolut gesehen noch sehr hoch ist. Ebenfalls aufgrund dieser Entwicklung war der Spatz in Deutschland und in Österreich zum Vogel des Jahres 2002 gewĂ€hlt worden. Des Weiteren wurde er in der Schweiz zum Vogel des Jahres 2015 gewĂ€hlt.cite-ref-14[14] Weiterhin wird der 20. MĂ€rz nach der Nature Forever Society (NFS) seit 2010 als Weltspatzentag begangen, um auf die BestandsrĂŒckgĂ€nge hinzuweisen.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]

Die GrĂŒnde fĂŒr diesen RĂŒckgang sind vielschichtig, folgende Ursachen werden angegeben:

‱ Moderne oder sanierte GebĂ€ude bieten kaum noch Nischen oder HohlrĂ€ume, die als BrutplĂ€tze verwendet werden können.
‱ Durch den Einsatz effizienterer Erntemaschinen verbleibt weniger verwertbare Nahrung nach der Ernte auf den Feldern.
‱ Weitgehende Einstellung der offenen Nutztierhaltung
‱ Der vermehrte Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verringert das Angebot und die QualitĂ€t der animalischen Nahrung, die vor allem fĂŒr die Nestlinge wichtig ist.
‱ Die gleiche negative Konsequenz hat ebenfalls der im Bereich von StĂ€dten und VorstĂ€dten gestiegene Anteil der versiegelten FlĂ€chen und auch, dass dort vielerorts die natĂŒrliche Vegetation durch gebietsfremde Pflanzen (beispielsweise ZierstrĂ€ucher) ersetzt wurde.

Die Situation hĂ€ngt jedoch sehr von den lokalen Bedingungen ab. In verschiedenen europĂ€ischen GroßstĂ€dten wie London, Paris, Warschau, Hamburg und MĂŒnchen wurde in den letzten Jahren ein sehr starker RĂŒckgang beobachtet. Eine besonders erschreckende Entwicklung wurde im Hamburger Stadtteil St. Georg festgestellt, wo zwischen 1983 und 1987 die Zahl der Haussperlinge von 490 auf 80 Vögel pro Quadratkilometer zurĂŒckging. In Hamburg gilt der Haussperling seit 2018 als bedroht.cite-ref-17[17] FĂŒr MĂŒnchen setzt sich dieser Trend besonders im Zentrum fort.cite-ref-18[18] In Bayern steht die Art auf der Vorwarnstufe fĂŒr bedrohte Arten.cite-ref-19[19]

Positiver ist die Entwicklung in Berlin, wo sich die RĂŒckgĂ€nge erst lokal in den Sanierungsgebieten abzeichnen und der Bestand mit 280 Vögeln pro Quadratkilometer im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz einnimmt.cite-ref-nabuberlin-20-0[20]cite-ref-hbvpddmauser-1-29[1]cite-ref-21[21]

Systematik

Taxonomische Einordnung der Sperlinge

FrĂŒher glaubte man, dass die Familie der Sperlinge eng mit den afrikanischen Webervögeln verwandt sei, und ordnete demzufolge die Sperlinge als Unterfamilie (Passerinae) der Familie der Webervögel zu. Vergleiche der DNA-Sequenzen verschiedener Arten haben ergeben, dass auch Verwandtschaftsbeziehungen zu Stelzen, Piepern und Braunellen bestehen. Auch wenn dies weiterhin umstritten ist, sieht man die Sperlinge heute deshalb als eigenstĂ€ndige Familie (Passeridae). Diese Familie wird in vier Gattungen und 36 Arten unterteilt.cite-ref-hbvpddmauser-1-30[1]cite-ref-22[22]

Entstehung der Art des Haussperlings

Johnston und Kitz vermuteten 1977, dass sich die Art des Haussperlings als ausgesprochener Kulturfolger mit der Sesshaftwerdung des Menschen und dem Betreiben von Ackerbau vor 10.000 Jahren im mittleren Osten entwickelte. Summers-Smith kam hingegen 1988 zu dem Schluss, der Haussperling sei eine der vielen eurasischen Arten der Gattung Passer, die wĂ€hrend des PleistozĂ€n von einem Ur-Sperling abstammt, der LebensrĂ€ume im östlichen Mittelmeerraum und im tropischen Afrika besiedelte, die durch das Tal des Nils oder den afrikanischen Grabenbruch verbunden waren. Er unterstellte, dass das MĂ€nnchen dieses Ur-Sperlings bereits einen schwarzen Brustlatz hatte, was charakteristisch fĂŒr alle heutigen palĂ€arktischen und orientalischen Sperlinge ist. Dieser Ur-Sperling breitete sich sowohl west- als auch ostwĂ€rts im eurasischen SteppengĂŒrtel aus. Anschließend kam es durch den wiederholten Vorstoß und RĂŒckgang der Gletscher zu periodischen Isolationen, was zu Anpassungsentwicklungen und der Aufspaltung in die heutigen Arten fĂŒhrte.

Viele Indizien sprechen fĂŒr diese wesentlich frĂŒhere Artentstehung. Der frĂŒheste datierte der relativ seltenen Fossilienfunde des Haussperlings wird auf 400.000 BP datiert und wurde in einer Höhle bei Bethlehem in PalĂ€stina entdeckt. Dieses Fossil weist mehr Ähnlichkeiten mit dem Haussperling als mit den heutigen afrikanischen Sperlingen auf. Dieser und ein spĂ€terer weiterer fossiler Höhlenfund in derselben Gegend lĂ€sst vermuten, dass dieser Vorfahre des Spatzen bereits in der NĂ€he der Menschen der Altsteinzeit lebte.

Molekulargenetische Untersuchungen zur Datierung der Aufspaltung der Sperlingsarten widersprechen sich betrĂ€chtlich. Eine 1988 durchgefĂŒhrte Untersuchung der Genabschnitte von 15 polymorphen Isozymen datiert die Abspaltung des Haussperlings vom Weidensperling zwischen 105.000 und 122.000 BP. Das Ergebnis einer im Jahr 2001 durchgefĂŒhrten Analyse der mitochondrialen Gen-Sequenz des Cytochrom-b und weiterer mitochondrialer Pseudogene ist dagegen, dass die Aufspaltung der Sperlingsart und auch die Abspaltung des Weidensperlings wĂ€hrend des MiozĂ€n oder PliozĂ€n auftrat, also vor mehr als 2 Millionen Jahren.cite-ref-anderson2006-23-0[23]

Verwandte Arten

Der Weidensperling galt lange Zeit als Unterart des Haussperlings, heute sieht man den Weidensperling als eigene Art. Beide Arten leben auf der iberischen Halbinsel, dem Balkan und Teilen Nordafrikas weitgehend sympatrisch, ohne dass es zu Hybridisierungen kommt, was als Beleg der EigenstĂ€ndigkeit der Arten gilt. Das Gefieder der MĂ€nnchen und die LautĂ€ußerungen weichen deutlich voneinander ab, ökologisch und ernĂ€hrungsbiologisch stimmen die Arten aber weitgehend ĂŒberein. Im gemeinsamen Verbreitungsgebiet besetzt der Haussperling StĂ€dte und Ortschaften und â€žĂŒberlĂ€sst“ dem Weidensperling die lĂ€ndlichen LebensrĂ€ume. Kommen beide Arten alleine vor, besetzen sie jedoch ein Ă€hnliches ökologisches Spektrum. Als ethologische Isolationsmechanismen werden Unterschiede in Gefiedermerkmalen, Nestbau, Stimme und Zugverhalten angesehen. Vor allem in Ostalgerien und Tunesien scheinen stellenweise diese Isolationsbarrieren aber weitgehend zusammengebrochen zu sein, aufgrund der Hybridisierung kommt es dort zu bezĂŒglich Aussehen und Merkmalen sehr variablen Sperlingspopulationen.cite-ref-hbvpddmauser-1-31[1]

Auch der Italiensperling wird hĂ€ufig als Hybridform von Haus- und Weidensperling angesehen, was heute allerdings auch stark bezweifelt wird. Neben der Darstellung als eigenstĂ€ndige Art wird der Italiensperling ebenfalls als Unterart des Haus- und ebenso des Weidensperlings eingeordnet, zudem auch als Hybridform ohne Zuordnung zu den Ursprungsarten (passer x italiae). Auch wenn molekularbiologische Untersuchungen heute widersprĂŒchlich sind, spricht vieles fĂŒr die Einstufung des Italiensperlings als Unterart des Weidensperlings. Ein Indiz hierfĂŒr ist auch, dass im Gegensatz zu dem abrupten geografischen Ausschluss von Italien- und Haussperling im Alpengebiet Italien- und Weidensperling in Mittel- und SĂŒditalien durch eine breite fließende Übergangszone miteinander verbunden sind (weiteres siehe Italiensperling).cite-ref-hbvpddmauser-1-32[1]cite-ref-t-pfer2006-24-0[24]

Unterarten

FĂŒr den Haussperling werden derzeit rund 13 verschiedene Unterarten anerkannt, die in zwei deutlich unterschiedlichen Subspeziesgruppen zusammengefasst werden. Die Formen der domesticus-Gruppe sind dabei grĂ¶ĂŸer, mit lĂ€ngeren FlĂŒgeln und krĂ€ftigerem Schnabel. Die helleren Gefiederanteile, wie beispielsweise die Kopfseiten, sind grau getönt und weniger weiß, die kastanienbraunen Pigmente sind weniger krĂ€ftig als bei der östlichen indicus-Gruppe.

Die indicus-Gruppe findet sich im Wesentlichen im oberen Niltal des Sudans, großen Teilen von Arabien, SĂŒd-Afghanistans, Irans, Indiens, Sri Lankas und Burmas, rund um das kaspische Meer, in Zentralasien und im Himalaya. Das ĂŒbrige Verbreitungsgebiet wird von Vertretern der domesticus-Gruppe besiedelt, auch praktisch alle eingebĂŒrgerten Populationen gehören dieser Gruppe an, die meisten davon entstammen der Nominatform.

Im Ostiran sind beide Subspeziesgruppen in einer breiten Übergangszone miteinander verbunden. Neben weiteren anderen BerĂŒhrungspunkten stehen beide Subspeziesgruppen auch in Zentralasien nordwĂ€rts bis Turkmenistan und Kasachstan in Kontakt. Bei letzterer Kontaktzone kommt es offensichtlich nicht zur Hybridisierung, die Subspeziesgruppen verhalten sich hier wie zwei Arten. Der dortige Kontakt ist erst relativ kĂŒrzlich durch eine östliche Expansion des Verbreitungsgebiets der der domesticus-Population angehörenden Nominatform zustande gekommen. Die Individuen der Nominatform sind dort deutlich grĂ¶ĂŸer als die der Unterart bactrianus als dortiger Vertreter der indicus-Gruppe. Von manchen Forschern wird die Unterart bactrianus, die Zugvogel ist und in Indien und Pakistan ĂŒberwintert, deshalb auch als eigenstĂ€ndige Art gesehen („Indian Sparrow“ oder Passer indicus). Dies wird allerdings nicht allgemein anerkannt.cite-ref-hbvpddmauser-1-33[1]cite-ref-anderson2006-23-1[23]

Die Merkmale und die Verbreitung der einzelnen Unterarten sind dabei wie folgt:cite-ref-hbvpddmauser-1-34[1]

1. domesticus-Gruppe

‱ P. d. domesticus (Linnaeus, 1758)cite-ref-linne183-25-0[25]: Die Nominatform besiedelt Europa sowie Sibirien ostwĂ€rts bis zur pazifischen KĂŒste, zum Amurland und bis nach Nordost-China. Zudem gehören die meisten der Neozoen der Nominatform an. Die FlĂŒgellĂ€nge betrĂ€gt 77 bis 83 Millimeter.
‱ P. d. tingitanus Loche, 1867cite-ref-loche132-26-0[26]: Diese Unterart kommt im Nordwesten Afrikas vor und besiedelt Marokko bis Tunesien sowie Libyen bis zur Cyrenaika. Die Unterschiede zur Nominatform sind gering, der mittlere Abschnitt der Scheitelfedern ist ausgedehnt schwarz, was aber auch bei Exemplaren der Nominatform als individuelle Variation beobachtet werden kann. Ohrdecken und die Unterseite sind durchschnittlich weißer.
‱ P. d. balearoibericus von Jordans, 1923cite-ref-jordan4-27-0[27], P. d. biblicus Hartert, E, 1904cite-ref-hartert149-28-0[28] und P. d. mayaudi Kumerloeve, 1969cite-ref-kumerloeve258-29-0[29]: Auch diese Unterarten Ă€hneln der Nominatform sehr, sie sind nur etwas blasser. Sie kommen in Kleinasien und Zypern sowie sĂŒdwĂ€rts bis zur Sinai-Halbinsel vor.
‱ P. d. persicus Zarudny & Kudashev, 1916cite-ref-sarudny37f-30-0[30]: Diese im Iran vorkommende Unterart ist noch etwas blasser als die Populationen Kleinasiens.
‱ P. d. niloticus Nicoll & Bonhote, 1909cite-ref-nicoll101-31-0[31]: Die das Niltal sĂŒdwĂ€rts bis zur sudanesischen Grenze besiedelnde Unterart ist Ă€hnlich blass wie persicus, nur etwas kleiner mit einer FlĂŒgellĂ€nge von 72 bis 77 Millimetern.

2. indicus-Gruppe

‱ P. d. rufidorsalis Brehm, CL, 1855cite-ref-brehm277-32-0[32]: Bei dieser im oberen Niltal des Sudan vorkommenden Unterart ist das Kastanienbraun der Oberseite deutlich dunkler, krĂ€ftiger und ausgedehnter als bei der benachbarten Unterart niloticus. Das Grau des Scheitels ist nach hinten weniger ausgedehnt und reicht gewöhnlich nicht bis zum Nacken. Der Schnabel ist zudem kleiner und die FlĂŒgellĂ€nge etwas kĂŒrzer, sie liegt zwischen 69 und 75 Millimetern. Eine besonders variable Population verbindet bei Wadi Halfa rufidorsalis mit niloticus. Diese Mischpopulation wird gelegentlich auch als eigene Unterart P. d. halfae bezeichnet.
‱ P. d. indicus Jardine & Selby, 1831cite-ref-jardin118-33-0[33]: Große Teile Arabiens, SĂŒd-Afghanistans, Indiens, Sri Lankas und Burmas werden von dieser etwas blasseren und mit einer FlĂŒgellĂ€nge von 70 bis 78 Millimetern wiederum etwas grĂ¶ĂŸeren Unterart bewohnt.
‱ P. d. hufufae Ticehurst & Cheesman, 1924cite-ref-ticehurst19-34-0[34]: Bei dieser Population ist die GefiederfĂ€rbung relativ grau, das Weiß der Unterseite ausgeprĂ€gter und das Kastanienbraun auf FlĂŒgel und RĂŒcken reduziert. Sie bewohnt Ostarabien von der Provinz al-Hasa bis Oman.
‱ P. d. hyrcanus Zarudny & Kudashev, 1916cite-ref-sarudny37f-30-1[30]: Diese Unterart lebt in den kaspischen TieflĂ€ndern im SĂŒden Aserbaidschans und im Nordiran. Der RĂŒcken ist etwas dunkler kastanienbraun als bei indicus, der Scheitel ist wegen der schwarzen mittleren Federabschnitte vielfach dunkel gestrichelt.
‱ P. d. bactrianus Zarudny & Kudashev, 1916cite-ref-sarudny37f-30-2[30]: Die sich ostwĂ€rts an indicus anschließenden Populationen sind etwas blasser, das Grau des Scheitels ist nicht dunkel gestrichelt. Das Vorkommen umfasst Zentralasien.
‱ P. d. parkini Whistler, 1920cite-ref-whistler13-35-0[35]: Diese im Grenzgebiet des Himalaya von Afghanistan bis Nepal beheimatete Unterart ist oberseitig dunkler und krĂ€ftiger gefĂ€rbt, das Nackenband ist breiter als bei bactrianus und indicus, der Schnabel und die FlĂŒgellĂ€nge sind grĂ¶ĂŸer (76 bis 83 Millimeter). Allerdings lassen sich parkini und bactrianus nicht zuverlĂ€ssig voneinander unterscheiden.

Haussperling und Mensch

Der die NĂ€he des Menschen suchende Haussperling ist fĂŒr viele Menschen der Inbegriff des Vogels ĂŒberhaupt, da es meist der erste Vogel ist, den man als Kind richtig zu Gesicht bekommt. Das VerhĂ€ltnis des Menschen ist zwiegespalten, lange wurde der lĂ€stige Haussperling bekĂ€mpft. Andererseits liegt er den Menschen auch am Herzen, auch wenn oder weil er klein und unscheinbar ist, und man traut ihm eine gute Portion Raffinesse zu. Junge Spatzen nĂ€hern sich des Öfteren aus Neugier auch Menschen an.

Etymologie und Benennung

Sowohl das Wort Sperling als auch die Koseform Spatz leiten sich vom althochdeutschen „sparo“ ab, und dieses hĂ€ngt vermutlich wieder mit dem indogermanischen „spar“ wie „zappeln“ zusammen. Grund hierfĂŒr könnte das immer unruhig wirkende Verhalten des Haussperlings sein und auch sein beidbeiniges UmherhĂŒpfen am Boden. Das englische „sparrow“ leitet sich auf die gleiche Weise her.cite-ref-nabufreundoderfeind-36-0[36]

Daneben besitzt der Spatz noch eine Reihe weiterer Namen, die teilweise nur lokale Bedeutung haben: Seine Vorliebe fĂŒr SĂ€mereien hat ihm die Namen Korndieb, Gerstendieb oder Speicherdieb eingetragen. In Norddeutschland wird er je nach Region LĂŒning, LĂŒntje, LĂŒnk oder DacklĂŒĂŒn genannt, was so viel heißt wie „der LĂ€rmende“. Wegen seiner Gewohnheit, in Misthaufen und Dung nach Körnern zu suchen, nennt man ihn auch Mistfink. Weitere Namen sind Leps und Mösche (von mussce, vulgĂ€rlateinisch von muscio = Spatz).cite-ref-martintierundnatur-37-0[37]

Geschichte als Kulturfolger

Vor ĂŒber 10.000 Jahren schon, als die Menschen sesshaft wurden und die ersten AnfĂ€nge des Ackerbaus entwickelten, hatte sich der Haussperling bereits dem Menschen angeschlossen. Man geht auch davon aus, dass der Haussperling mit dem Anschluss an den Landwirtschaft betreibenden Menschen vom Zug- zum Standvogel wurde. Es wird auch vermutet, dass der Haussperling entsprechend der Ausbreitung der Landwirtschaft nordwestlich nach Europa vorgedrungen ist.cite-ref-anderson2006-23-2[23]

Im Zuge der Besiedlung der anderen Kontinente durch die EuropĂ€er wurde der Haussperling praktisch auf der ganzen Welt heimisch. Dabei lassen sich natĂŒrliche Ausweitungen des Verbreitungsgebiets im Gefolge des in unbesiedelte Gebiete vordringenden Menschen und Ausbreitung nach gezielter Einfuhr oder unbeabsichtigtem Transport vielfach nicht mehr unterscheiden.cite-ref-hbvpddmauser-1-35[1]

Nach Nordamerika beispielsweise gelangte der Spatz, als im Jahr 1852 europĂ€ische Auswanderer etwa 100 Vögel auf einem Friedhof in Brooklyn bei New York aussetzten. Nach etwa 20 weiteren Importen aus England und Deutschland mit ĂŒber 1000 Vögeln und zahlreichen Verfrachtungen innerhalb des Landes besiedelte der Haussperling um die Wende zum 20. Jahrhundert bereits das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten. Die Art breitete sich damit schneller aus als der spĂ€ter eingefĂŒhrte Star.cite-ref-hbvpddmauser-1-36[1]

Redewendungen, Legenden und Literatur

Da die LebensrĂ€ume von Haussperling und Mensch schon lange eng beieinander liegen, haben sich zahlreiche Redewendungen und Legenden entwickelt. Auch hierbei ĂŒberwiegt das negative Image des Spatzen. Die bekanntesten sind folgende:cite-ref-hbvpddmauser-1-37[1]cite-ref-vogelschutzonline-6-1[6]

‱ Dreckspatz: Die Vorliebe fĂŒr StaubbĂ€der hat diese Bezeichnung verursacht.
‱ Dass Spatz/Spatzl auch ein Kosename fĂŒr eine(n) Geliebte(n) ist, mag auf die erotische Konnotation zurĂŒckgehen.
‱ Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach: Dies soll ausdrĂŒcken, dass man sich lieber mit etwas Kleinem und sicher Erreichbarem zufriedengeben soll, als etwas GrĂ¶ĂŸeres und Wertvolleres zu begehren, dessen Erreichbarkeit ungewiss ist.
‱ Mit Kanonen auf Spatzen schießen: Soll deutlich machen, dass man ĂŒbertriebenen Aufwand betreibt, um etwas zu erreichen.
‱ Im Schafkopf nennt man Spatz eine niedrige, wertlose Karte.
‱ Die Spatzen pfeifen es von den DĂ€chern: Ist ein Ausdruck fĂŒr etwas, was lĂ€ngst kein Geheimnis mehr ist und sich ĂŒberall herumgesprochen hat.
‱ Manch einer ist frech wie ein Spatz. Das Schimpfen wie ein Rohrspatz geht allerdings auf die Rohrammer zurĂŒck, die auch Rohrspatz genannt wird.cite-ref-38[38]
‱ Ein Spatzenhirn haben: FĂŒr dieses Synonym fĂŒr „dumm oder vergesslich sein“ musste der Spatz wohl als bekanntester kleiner Vogel Pate stehen. Indes sind Haussperlinge sogar relativ intelligente Vögel, denn sie waren beispielsweise die ersten Vögel, die in den 1930er Jahren in England den Meisen das Öffnen der Milchflaschen nachmachten.
‱ Der Ulmer Spatz: Hier soll der Spatz als Ideengeber beim Bau des MĂŒnsters fungiert haben, indem er einen Strohhalm lĂ€ngs im Schnabel trug, nachdem die Ulmer vergeblich versucht hatten, einen großen Balken quer durch das Stadttor zu transportieren.
‱ Grimms MĂ€rchen kennen den klugen Spatz in Der Hund und der Sperling und Der Sperling und seine vier Kinder.

Humorvolle Gedichte ĂŒber den Haussperling gibt es beispielsweise von Wilhelm Busch, Ernst Schenke oder Heinz Erhardt. Ein frecher Spatz war auch die Hauptrolle in der deutschen Fernsehreihe Der Spatz vom Wallrafplatz, die Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre vom WDR ausgestrahlt wurde.

Der Spatz als SchÀdling

Der frĂŒhere Ruf des Haussperlings als SchĂ€dling ist vor allem auf seine Vorliebe fĂŒr Körner zurĂŒckzufĂŒhren. Auch war der Spatz bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts weit zahlreicher als heute. Dies fĂŒhrte in der Vergangenheit mehrfach in verschiedenen Regionen zur organisierten BekĂ€mpfung der Spatzen. Beispielsweise setzte König Friedrich der Große im 18. Jahrhundert ein Kopfgeld aus, um die herrschaftlichen Felder vor den Spatzen zu schĂŒtzen. Wegen der durch die Dezimierung der Sperlinge verursachten starken Ausbreitung der Insekten wurde dieses Kopfgeld jedoch bald wieder abgeschafft.cite-ref-nabudeutschlandjahresvogelbrosch-39-0[39]

VerstĂ€rkte, kampagneartige AktivitĂ€ten auf Basis hĂ€ufig ĂŒbertriebener oder pauschaler SchadensschĂ€tzungen gab es nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei wurde dem Haussperling mittels Spezialfallen, Giftweizen oder durch anderweitigem systematischem Einsatz von Giftstoffen nachgestellt, wiederum unterstĂŒtzt durch die Auslobung von GeldprĂ€mien. Diese Maßnahmen sorgten lokal fĂŒr deutliche Dezimierungen des Bestandes, die LĂŒcken waren aber nach zwei Jahren meist wieder geschlossen. In SĂŒddeutschland wurden Haussperlinge bis in die 1960er-Jahre bisweilen durch Dynamitsprengungen ihrer SchlafplĂ€tze getötet.cite-ref-40[40] Im Jahr 1965 wurden durch den DBV, der damaligen VorlĂ€uferorganisation des NABU, spezielle FutterhĂ€uschen mit den Namen „Kontraspatz“ oder „Spatznit“ vertrieben. Damit sollten die Haussperlinge von der WinterfĂŒtterung ausgeschlossen werden, da man die Spatzen als zu große Konkurrenz fĂŒr die ĂŒbrigen Singvögel ansah.cite-ref-nabufreundoderfeind-36-1[36] Weit wirkungsvoller war allerdings die nicht als BekĂ€mpfungsmaßnahme gedachte Umgestaltung des Lebensraums in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts (siehe Bestand und Bestandsentwicklung).cite-ref-hbvpddmauser-1-38[1]

Auch heute wird der Haussperling teilweise noch als HygieneschĂ€dling betrachtet und findet sich deshalb auch in einem Lexikon fĂŒr SchĂ€dlinge wieder.cite-ref-41[41] Problematisch ist dabei insbesondere das Eindringen und Einnisten in LebensmittelmĂ€rkten und GroßkĂŒchen, da der Haussperling als potentieller ÜbertrĂ€ger von Krankheiten gilt. In Deutschland geraten hier das Bundesnaturschutzgesetz und die Lebensmittelhygieneverordnung in Konflikt, so dass die Rechtslage bei einer BekĂ€mpfung der Sperlinge unklar ist.cite-ref-felkekleinlogel-42-0[42]

Rolle bei Übertragung von Krankheiten

Haussperlinge wurden mit der Verbreitung einiger Krankheiten, die fĂŒr den Menschen oder fĂŒr domestizierte Tiere von Bedeutung sind, in Verbindung gebracht. Spatzen gelten als ÜbertrĂ€ger von Bakterien (beispielsweise Salmonellen) oder auch als Reservoirwirt bei der Verbreitung verschiedener Arboviren. FĂŒr die Ausbreitung eines Vertreters dieser Virengruppe, des St.-Louis-Enzephalitis-Virus in Nordamerika, wird dem Haussperling eine SchlĂŒsselrolle unterstellt. Auch mit dem West-Nil-Virus wird der Haussperling in Verbindung gebracht. Wegen der Charakteristik der Ausbreitung dieses Virus in den USA ist der Haussperling neben den Rabenvögeln und verschiedenen Zugvögeln in Verdacht geraten, bei der Verbreitung eine entscheidende Rolle zu spielen.cite-ref-anderson2006-23-3[23]cite-ref-43[43]

Im Labor wurde nachgewiesen, dass Spatzen mit der besonders virulenten Form des Influenzavirus vom Typ H5N1 infiziert werden können, wenn sie auch nur schwach darauf reagieren. Außerhalb des Labors wurden bislang nur in Ostasien im unmittelbaren Umkreis massiv von Vogelgrippe H5N1 befallener GeflĂŒgelhaltungen infizierte Sperlinge entdeckt.cite-ref-perkinsswayne2003-44-0[44]

Trotz alldem ist zusammenfassend festzustellen, dass der Haussperling keine besondere Rolle bei der Übertragung fĂŒr den Menschen gefĂ€hrlicher Krankheitserreger spielt. Es wĂ€re eher die Frage zu stellen, welche Auswirkungen vom Menschen verbreitete Krankheitserreger auf Sperlingspopulationen haben.cite-ref-anderson2006-23-4[23]

Symbol der Unkeuschheit

Auch wenn sich Haussperlinge nicht hÀufiger als andere sozial lebende Vogelarten paaren, brachte ihr Verhalten ihnen im Mittelalter den Ruf der Unkeuschheit ein. Dies lag wohl auch daran, dass die Paarung direkt vor den Augen der Menschen stattfand und Spatzen dabei gerÀuschvoller zu Werke gehen als manch andere Vögel. Man glaubte damals, dass Spatzen bei so vielen Begattungen höchstens ein Jahr leben könnten.

Weit verbreitet war auch der Glaube, dass Spatzenfleisch den Liebesdrang steigere und zur Unzucht ansporne. Im alten Rom und noch frĂŒher, im Griechenland der Antike, wurden Ă€hnliche Aberglauben beschrieben. Bei Aristophanes, einem griechischen Komödiendichter, ritten die sehnsĂŒchtigen Frauen auf Spatzen von der Akropolis zu ihren MĂ€nnern herab.cite-ref-hbvpddmauser-1-39[1] Catull dichtet: „Passer, deliciae meae puellae 
“ (Spatz, Liebling meiner Freundin 
).

BerĂŒhmte Spatzen

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde der Spatz Clarence berĂŒhmt. Er fiel als frisch geschlĂŒpftes KĂŒken vor die FĂŒĂŸe von Clare Kipps, die ihn aufzog und ihm kleine KunststĂŒcke beibrachte. Kipps nahm ihn als Angehörige des freiwilligen Luftschutzes wĂ€hrend ihrer DienstgĂ€nge in die Luftschutzbunker Londons mit, wo sie Clarence Hitlerreden parodieren ließ. Er wurde in Presseberichten gefeiert, und sein Bild auf Postkarten wurde zu Gunsten des Britischen Roten Kreuzes verkauft.cite-ref-45[45]

Weiterhin wurde im Rahmen des Domino Days 2005 ein Tier als „Domino-Spatz“ bekannt, das nach Zufallbringen von rund 23.000 Dominosteinen von einem seitens der Produktionsfirma engagierten JĂ€ger erschossen wurde.

Literatur

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‱ Ted. R. Anderson: Biology of the ubiquitous house sparrow. From genes to populations. Oxford University Press, Oxford/New York 2006, ISBN 0-19-530411-X.
‱ Jochen Hölzinger: Die Vögel Baden-WĂŒrttembergs. Band 3/2, Singvögel/Sperlingsvögel. Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-3483-7.
‱ Einhard Bezzel: Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 2: Passeres–Singvögel. Aula, Wiesbaden 1993, ISBN 3-89104-530-1.
‱ Kate E. Vincent: Investigating the causes of the decline of the urban House Sparrow Passer domesticus population in Britain. (PDF; 1,2 MB) 2005.
‱ NABU Deutschland: Der Haussperling – Vogel des Jahres 2002. JahresvogelbroschĂŒre (PDF; 28 Seiten, 2,3 MB)
‱ Immanuel Birmelin: Von wegen Spatzenhirn! Die erstaunlichen FĂ€higkeiten der Vögel. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-440-13022-3.

Weblinks

Commons

: Haussperling

–

Passer domesticus

Wikispecies

: Haussperling

– Artenverzeichnis

‱ Literatur von und ĂŒber Haussperling im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Passer domesticus in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der IUCN 2008. Eingestellt von: BirdLife International, 2008. Abgerufen am 12. November 2008.
‱ BirdLife International: Species Factsheet – House Sparrow (Passer domesticus)
‱ Haussperling (Passer domesticus) auf eBird.org
‱ xeno-canto: Tonaufnahmen – Passer domesticus
‱ Haussperling bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach
‱ Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
‱ Federn des Haussperlings

Einzelnachweise

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